Sarworter-Werkzeug

Nietzange
Nietzange

Der Verschluss der Ringe eines Ringpanzers mittels Nieten erforderte spezialisiertes Werkzeug. Erhaltene Ringpanzer weisen durchgängig abgerundete Nietköpfe ohne von Hämmern stammende Bearbeitungsspuren auf, so dass entweder von Stempeln oder von Zangen mit Matrizen ausgegangen werden kann.

Moderne Versuche zeigen, dass bei entsprechendem Hebelweg die Kraft einer Hand ausreicht, um bis zu 2 mm durchmessende Niete mittels einer Zange zu setzen.

Zangen sind nicht nur seit der Antike bekannt, sondern haben sich in ihrer Form bis heute kaum verändert. Von Spreizzangen abgesehen bestehen sie aus zwei Griffeisen, welche sich an der sich leicht verbreiternden Nietstelle überkreuzen und in den je nach Verwendungszweck unterschiedlich gearteten Arbeitsbereich übergehen.

Die vorliegende Zange wurde aus Stahl geschmiedet und erhielt ihre Brünierung durch die Härtung in Leinöl. Der Aufbau folgt diversen Originalen und Abbildungen; von häufig abgebildeten Schmiedezangen unterscheidet sich der Arbeitsbereich, der nicht aus parallelen, sondern aus senkrecht aufeinander stoßenden Backen besteht. Während beim Vernieten am Rand des Geflechts die erste (häufig abgebildete) Form ausreicht, bietet die hier gewählte Form die beim Flicken und Arbeiten in der Mitte des Geflechts hilfreiche Bewegungsfreiheit. Diese, den heutigen Rabitzzangen sehr ähnliche, Form ist bis heute belegbar und zeugt von der perfekten Funktionalität dieses Konstruktionstyps.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei dieser Rekonstruktion sowohl in der Formgebung als auch als Ganzes um ein spekulatives Projekt handelt, da keine Originale erhalten sind.

Quellen:

Codex Manesse

Schweiz 1300-1340

Die Manessische Liederhandschrift ist ein einzigartiges Zeugnis von Kleidung und Sachkultur Anfang des 14. Jhdts. Durch die teilweise historisierende Malweise sollte sie nicht als Einzelquelle, sondern im Vergleich verwertet werden.

Mendelsche Hausbücher

Nürnberg ab 1425

Zunftmitglieder wurden bei der Ausübung ihres Berufes zusammen mit den klassischen Handwerkszeugen portraitiert, was in einer reichen Quelle von Abbildungen sowohl zeitloser als auch zeitspezifischer und detaillierter Werkzeuge resultiert.