Schwert

Schwert Oakeshott XIV
Schwert Oakeshott XIV

Das Schwert (von ahd. swerd) (1) gilt noch heute als die ritterliche Waffe schlechthin, um es ranken sich Sagen und Mythen. Berühmten Schwerter wie Artus' Excalibur, Siegfrieds Balmung oder Rolands Durendal wurden magische Fertigkeiten zugeschrieben, sie waren Symbole der Herrschaft.

Dem gegenüber steht die immer wieder propagierte These, europäische Schwerter seien schwere und stumpfe Waffen gewesen, mit denen der Gegner ohne Technik, dafür aber mit um so mehr Gewalt besiegt wurde. Auf Burgführungen werden dem Besucher häufig Nachbauten aus dem 19. Jahrhundert gezeigt, deren Gewicht im mehrstelligen Kilobereich liegt - ein Usus, der die gängigen Klischees noch unterstreicht.

Das dem nicht so war, zeigen sowohl erhaltene Originale, als auch Fechtbücher welche vollständige Kampfsysteme mit ausgefeilten Techniken vermitteln (2). Daher existierten verschiedene Schwerttypen mit unterschiedlicher Klingenform und -länge, welche über die Jahrhunderte an den jeweils vorherrschenden Kampfstil und die zeitgenössische Körperpanzerung angepasst wurden. Eine moderne Einteilung unter Gesichtspunkten der Klingengeometrie erfolgt nach E. Oakeshott (3).

Um 1320 finden sich noch Exemplare der eher früher genutzten Typen XII (4) und XIII (5), vorherrschend ist aber Typ XIV (6), ein relativ schweres und breites Schwert. Ferner findet sich noch Typ XV, welches sich im Laufe des 14. Jhdts. zum beidhändig führbaren Schwert mit langem Griff entwickelte (7).

Das vorliegende Schwert folgt dem Typ XIV nach Oakeshott. Charakteristisch ist die breite, sich kontinuierlich verjüngende Klinge und die gebogene Parierstange mit kurzem Griff und kräftigen Knauf. Als Trainingswaffe ist die Klinge stumpf ausgeführt, das Gewicht beträgt ca. 1100 Gramm, was die Waffe gut kontrollierbar macht.

Quellen:

Hochgräber und Epitaphen Diverse Hochgräber und Epitaphen aus dem Kurkölner, Rheinischen und Nordhessischem Raum. Hier finden sich detaillierte Darstellungen von Ailettes, Kleidungsbestandteilen und Ringpanzerelementen

Codex Manesse

Süddeutschland

Cpg 848

1304 - ca.1340

Die Manessische Liederhandschrift ist ein einzigartiges Zeugnis von Kleidung und Sachkultur Anfang des 14. Jhdts. Durch die Vermischung von historisierenden und zeitgenössischen Elementen ist bei der Interpretation der Vergleich zu anderen Quellen geboten.

Records of the Medieval Sword

Ewart Oakeshott

Standardwerk über die Klassifikation europäischer Blankwaffen, viele Abbildungen und Abriss über verscheidene Herstellungstechniken

Boydell Press, Woodbridge, 1991

 

1 Genaue Herkunft nicht geklärt, vermutlich älterer altgermanischer Wortstamm. Vgl. dänisch sværd, englisch sword, niederländisch zwaard etc.
2 Beispielsweise das Fechtbuch I.33, welches den Kampf mit einhändigem Schwert und Faustschild beschreibt.
3 Eward Oakeshott (1916-2002) entwickelte die Oakeshott-Klassifikation, die wichtigste Einteilung europäischer Blankwaffen.
4 Detaillierte Beschreibung (englisch): XII
5 Detaillierte Beschreibung (englisch): XIII
6 Detaillierte Beschreibung (englisch): XIV
7 Detaillierte Beschreibung (englisch): XV