Riemchenschuhe

Die Fertigung mittelalterlicher Schuhe erfolgte in der sogenannten Wendetechnik; was bedeutet, dass die Schuhe auf links vernäht, und daraufhin gewendet wurden. Diese Technik resultierte in einer innen liegenden Naht, die gegen Abnutzung geschützt war, bedingte aber eine maximale Sohlendicke, über die hinaus ein Wenden nicht mehr möglich war.

Das Resultat war ein relativ stabiler und im Vergleich zur heutigen Rahmenbauweise schnell zu fertigender Schuh, welcher sich allerdings schnell abnutzte. Dennoch handelte es sich nicht um reine Wegwerfprodukte im heutigen Sinn. Sohlen wurden durch aufgesetzte Flicken repariert oder sogar von vornherein gegen Ablaufen geschützt; das Oberleder wurde nach endgültigem Verbrauch des Schuhs durch Altmacher recycled, was die Fundkomplexe aus Schleswig ind Konstanz eindrucksvoll zeigen.

Die Schuhform zeigt keine wirkliche Regionalität; sowohl die beiden großen deutschen Fundkomplexe und verschiedene Streufunde als auch die Hafenfunde aus London und Einzelstücken aus dem übrigen Europa zeigen keine nennenswerten Unterschiede.

Die vorliegenden Schuhe wurden aus pflanzlich gegerbtem und mit Essig und Eisensulfat schwarz gefärbtem Leder gefertigt. Die Fersensohle ist analog zu diversen Funden durch einen Sohlenflicken, der Oberrand mit einer Paspel Typ d nach Schnack und die Ferse durch eine Hinterkappe verstärkt. Die Schnalle ist der Bronzeabguss eines ursprünglich verzinnten aus Kupfer bestehenden Originals aus London aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Vergleichbare Doppelschnallen begegnen uns auch im Fundgut von Höxter und Corvey, als Einzelschnallen ist diese spezielle Verzierung auch schon Mitte des 13. Jahrhunderts in vielen Plastiken und Funden nachweisbar.

 

Schuh: André Henning

Schnallen: Nina Rucińska

Quellen:

Nequambuch

Soest

ab 1315

Abt. A Nr. 2771

Das Soester "Nichtsnutz"-Buch führt anhand von Abbildungn Strafen gegen Gesetzesverstöße an. Das Buch wurde 1315 begonnen, aus dieser Zeit stammen auch die sorgfältigen Zeichnungen, die besonders detailliert Kleidung zeigen.

Codex Manesse

Süddeutschland

Cpg 848

1304 - ca.1340

Die Manessische Liederhandschrift ist ein einzigartiges Zeugnis von Kleidung und Sachkultur Anfang des 14. Jhdts. Durch die Vermischung von historisierenden und zeitgenössischen Elementen ist bei der Interpretation der Vergleich zu anderen Quellen geboten.

Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz

Christiane Schnack

Einer der größten Fundkomplexe mittelalterlichen Schuhwerks Europas.

Materialhefte zur Archäologie 26, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1994

Die hoch- und Spätmittelalterlichen Bundmetallfunde nördlich der Alpen

Stefan Krabath

Einer der größten katalogisierten Fundkomplexe europäischer Metallfunde, die Ausarbeitung enthält zudem einen umfangreichen Vergleichsfundkatalog. Schwerpunkt liegt auf den westfälischen Städten Höxter und Corvey.

VML Verlag Marie Leidorf, Rahden, 2001

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Eine detaillierte Beschreibung der Nahttechnik findet sich auf der Website von Frank Becker und Alexander Würkner.