Zinnenhut

Der Zinnenhut mit seinem Besatz aus Fehpelz findet sich in Abbildungen und Skulpturen häufig bis ca. 1330, vereinzelt auch danach. Beim Feh handelt es sich um eine teure Importware, nämlich den Winterpelz des sibirischen Eichhörnchens, dessen kontrastfarbiges Bauch- und Rückenfell zu markantem "Buntwerk" zusammengesetzt wurde (1). Während das Buntwerk selber, beispielsweise als Kleidungsfutter, einen längeren Zeitraum verwendet wurde, beschränkt sich die Fundlage für den Zinnenhut von ca. 1200 bis 1330 auf einen Zeitraum von knapp 130 Jahren. Während sich die Verbreitung vor 1300 vornehmlich im höfischen Kontext findet, sieht man den Zinnenhut ab 1300 fast nur noch bei hohen Fürsten und weltlichen Würdenträgern (2).

Der vorliegende Hut besteht aus einer steifen Konstruktion aus Eisendraht, Holz und handgewebtem Leinen. Dieser Aufbau entspricht dem einiger erhaltener Hüte um 1280-1300 aus spanischen Gräbern (3). Die Deckelkonstruktion besteht aus mit Indigo und Reseda gefärbter Seide in Köperbindung. Beim Pelz handelt es sich um echten Feh, welcher gebraucht als Wintermantel erstanden und umgearbeitet wurde.

 

Herstellung: Fabian Griesler

Quellen:

Codex Henricus

Münster ULB Cod. 1

1. Viertel 14. Jhdt.

Lateinische Bibelhandschrift mit vielen Miniaturen, ein wichtiges Zeugnis westfälischer Buchmalerei

Publ. in: Kulturstiftung der Länder, Münster, 1998

Nequambuch

Soest

ab 1315

Abt. A Nr. 2771

Das Soester "Nichtsnutz"-Buch führt anhand von Abbildungn Strafen gegen Gesetzesverstöße an. Das Buch wurde 1315 begonnen, aus dieser Zeit stammen auch die sorgfältigen Zeichnungen, die besonders detailliert Kleidung zeigen.

Codex Manesse

Süddeutschland

Cpg 848

1304 - ca.1340

Die Manessische Liederhandschrift ist ein einzigartiges Zeugnis von Kleidung und Sachkultur Anfang des 14. Jhdts. Durch die Vermischung von historisierenden und zeitgenössischen Elementen ist bei der Interpretation der Vergleich zu anderen Quellen geboten.
1 Das Sibirische Eichhörnchen, Sciurus vulgaris exalbidus, wechselt zum Winter hin seine Fellfarbe vom Rötlichen ins Schwarz/Weiße.
2 Häufig zu finden ist der Hut bei Gerichtsszenen oder der symbolisierung von Fürsten. Des Weiteren werden oft biblische Gestalten mit ehrwürdig-altmodischen langen Kitteln und Zinnenhüten gezeigt, wie z.B. im o.g. Codex Henricus.

3

Zu finden beispielsweise am Hut des Ferdinando de la Certa (ca. 1211/1275), aus dem klerikalen Bereich wäre die Mitra aus dem Halberstadter Dom (ca. 1330) zu nennen.