Oberbekleidung

Die Mode um 1320 befindet sich in einem Übergang von der weiten Kleidung des 13. Jhdts zur körperbetonten Mode der weiteren Jahrhunderte. Unterscheidet sich männliche und weibliche Kleidung Mitte des 13. Jhdts. allenfalls durch die Länge, bahnt sich um 1300 eine zunehmende Vergeschlechterung an. Die Männerkleidung wird zunehmend kürzer, die Frauenkleidung beginnt mit einer Betonung des nun zunehmend eng anliegend geschneiderten Oberkörpers, welche im deutschsprachigen Raum zur Mitte des Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht.

Die Länge der Kleidung richtet sich, gerade in Abbildungen, vornehmlich nach Stand und Funktion des Trägers, noch Jahrhunderte später zeigt die Darstellung von Würdenträgern bodenlange Roben. Als Mittel aus den ausgewerteten Abbildungen und Plastiken läßt sich für den höfischen Bereich auf eine Länge der Oberbekleidung zwischen Knöcheln und Mitte des Unterschenkels schließen.

Durchgemusterte Stoffe werden vornehmlich im klerikalen Bereich verwendet, die Dekoration der weltlichen Kleidung besteht häufig aus bestickten Borten im Hals- und Ärmelbereich.

Häufig, besonders im höfischen Bereich, finden sich Abbildungen von ärmellosen Überkleidungen, in der Literatur öfters als surcot, (frz. Übergewand) bezeichnet. Diese scheint oft aus repräsentativem Stoff zu bestehen, die Aufschläge sind häufig in Kontrastfarben oder mit Pelzen gefüttert.

Die in der Sekundärliteratur zu findenden Begriffe wie Cotte, Cotta, Surcot, Cotehardie etc. sind irreführend, da es sich dabei um Begrifflichkeiten aus der modernen Kostümkunde handelt bzw. aus dem französischen Raum entliehen sind. Im deutschsprachlichen Raum findet sich hingegen häufig der universelle Ausdruck roc (mhd.) für Oberbekleidung.

Dieses ärmellose Oberkleid wurde aus indigofarbener Seide mit hellem gelben Leinenfutter hergestellt. der Kragen ist mit einer seidenbestickten Borte besetzt, auf der sich Applikationen aus Gelbguss und Süßwasserperlen finden. der Kragen wird durch einen Fürspan geschlossen.Die Taillierung erreicht dieses Kleidungsstück durch die Gürtung.

Quellen:

Woven into the Earth

Else Ostergaard

Der hier aufgearbeitete Fundkomplex von Herjolfsnes bietet trotz seiner periphären Lage einen einzigartigen Einblick in Nahttechniken, Schnitte, Stoffe und Färbungen europäischer Kleidung über mehrere Jahrhunderte.

Aarhus University Press, Aarhus 2004

Grabmähler und Epitaphen Diverse Hochgräber und Epitaphen aus dem Kurkölner, Rheinischen und Nordhessischem Raum. Hier finden sich detaillierte Darstellungen von Ailettes, Kleidungsbestandteilen und Ringpanzerelementen