Bundhaube

Bundhaube aus Leinen
Bundhaube aus Leinen

Die Bundhaube ist bis zum 14. Jhdt. fester Bestandteil der hoch- und spätmittelalterlichen Männerkleidung (1). Wie bei Bruche und Leibhemd geht man auch hier aufgrund der vornehmlich weißen Darstellung von einem festen, leicht zu reinigenden Material, wahrscheinlich Leinen, aus. Bei betuchteren Trägern kommt auch Seide in Frage, eventuell diente sie als Schutz gegen Verschmutzung der Haare und Witterungseinflüsse. In abgesteppter Form wurde sie unter der Ringpanzerhaube als Polsterung getragen.

Obwohl die Bundhaube sporadisch noch länger in Abbildungen nachweisbar ist, nimmt ihre Verwendung ab 1300 rapide ab, die Darstellungen zeigen tendentiell ärmere, dienende oder hart arbeitende Bevölkerungsschichten. Bei den Reicheren entsteht eine Vielzahl an teilweise reich verzierten Hüten.

Diese Bundhaube wurde anhand verschiedener Abbildungen und Plastiken aus feinem, handgewebtem Leinen genäht. Die Mittelnaht ist analog zu Abbildungen in der Macjowski-Bibel nach links und rechts genäht; der Rand wurde, den Nahtfragmenten feinen Seidenstoffes aus London folgend, mit einem Rollsaum versäubert.

Quellen:

Nequambuch

Soest

ab 1315

Abt. A Nr. 2771

Das Soester "Nichtsnutz"-Buch führt anhand von Abbildungn Strafen gegen Gesetzesverstöße an. Das Buch wurde 1315 begonnen, aus dieser Zeit stammen auch die sorgfältigen Zeichnungen, die besonders detailliert Kleidung zeigen.

Sachsenspiegel

Eike v. Repgow

Anfang 14. Jhdt. 

Cpg 164 (Heidelberg)

Das älteste Rechtsbuch in deutscher Sprache regelt Land- und Lehnrecht, und beschreibt damit das bestehende Gewohnreitsrecht. Es existieren vier bebilderte Handschriften aus Dresden, Heidelberg, Oldenburg und Wolfenbüttel; hier finden sich Abbildungen von Alltagssituationen und -gegenständen.

Der welsche Gast

Th. v. Zerclaere

1256

Cpg 389

Lehrgedicht über Tugenden, höfische Erziehung und praktische Ethik. In der ältesten Handschrift von 1256 finden sich vornehmelich Darstellungen von Protagonisten des Gedichtes und zeitgenössische Kleidungsstücke.

Maciejowski-Bibel

Ca. 1250

Ms M. 638

 

Trotz des zu frühen Zeitraums zeigt die Maciejowski-Bibel Details mittelalterlicher Kleidung und Alltagsgegenstände so genau, dass sie als Vergleichsquelle zu anderen Darstellungen hinzugezogen werden kann.

Textiles and Clothing

Crowfoot et al.

Die Londonfunde in erschöpfender Analyse der Stoffqualitäten, Schnitte, Färbungen und Nahttechniken.

Boydell Press, Woodbridge, 2008

1
In Illustrationen ab 1300 tauchen Bundhauben immer weniger auf, so ist z.B. im Nequambuch der Stadt Soest noch zwei Hauben in 13 Tafeln zu finden.