Bruche

Bruche
Bruche mit siebenschlaufigen Nestelschnüren aus Wolle

Die Bruche (mhd. brouch) ist die Unterhose des Mittelalters (1). Auf Abbildungen vornehmlich bei leicht bekleideten ärmeren oder hart arbeitenden Personen dargestellt, läßt der Aufbau hoch- und spätmittelalterlicher Beinbekleidung auf eine Verwendung durch sämtliche Bevölkerungsschichten schließen, dies wird durch die Darstellung eines stürzenden Reiters im Musterbuch des Villard de Honnecourt erhärtet.

Abbildungen zeigen die Bruche als meist weites, faltenreiches Kleidungsstück, welches am Bund mittels eines Bandes oder Gürtels gerafft wird. An diesem befinden sich Schnüre, welche zum Annesteln der hosen, zweier seperater Beinlinge dienen.

Die fast durchgängig weiße Darstellung der Bruche läßt wohlmöglich auf Leinen als Material schließen, was sich mit dem Vergleichsfund einer spätmittelalterlichen leinenen Unterhose aus Innsbruck deckt.

Die Bruche wurde aus naturfarbenem und gebleichten Flachsleinen genäht, der Bundzug nimmt ein brettchengewebtes Band aus Wolle auf.

 

Bruche: Fabian Griesler

Quellen:

Sachsenspiegel

Eike v. Repgow

Anfang 14. Jhdt. 

Cpg 164 (Heidelberg)

Das älteste Rechtsbuch in deutscher Sprache regelt Land- und Lehnrecht, und beschreibt damit das bestehende Gewohnreitsrecht. Es existieren vier bebilderte Handschriften aus Dresden, Heidelberg, Oldenburg und Wolfenbüttel; hier finden sich Abbildungen von Alltagssituationen und -gegenständen.

Der welsche Gast

Th. v. Zerclaere

1256

Cpg 389

Lehrgedicht über Tugenden, höfische Erziehung und praktische Ethik. In der ältesten Handschrift von 1256 finden sich vornehmelich Darstellungen von Protagonisten des Gedichtes und zeitgenössische Kleidungsstücke.

 

Maciejowski-Bibel

Ca. 1250

Ms M. 638

Trotz des zu frühen Zeitraums zeigt die Maciejowski-Bibel Details mittelalterlicher Kleidung und Alltagsgegenstände so genau, dass sie als Vergleichsquelle zu anderen Darstellungen hinzugezogen werden kann.

Musterbuch

V. d. Honnecourt

Ca. 1230

Ms. Fr. 19093

Buch mit mehreren Skizzen von Kleidung, Tieren, architektonischen Details und geometrischen Figuren, dazu Maschinen und Erfindungen. Die ursprüngliche Verwendung ist unklar, möglicherweise handelt es sich um ein privates Skizzenbuch.

Unterhose

Ende 15. Jhdt.

 

Als Vergleich in Hinsicht auf das verwendete Material dient der einzigartige Fund einer Unterhose aus Schloss Lengberg, Tirol, bei welcher besonders die Mehrschichtigkeit des Stoffes an der Front interessant ist.

Flax and Linen

Patricia Baines

 

Weiterführende Literatur zur Herstellung von Leinen seit der Antike.

Shire Publications Ltd., Princes Risborough, 2003

1 Gösta Ditmar-Trauth: Alltag und Sachkultur des Mittelalters, Eigenverlag, Münster, 2006, S.370ff